Die Stadt, die sich nicht duckt
Während die slowakische Regierung Museumsdirektoren feuert und Kunst zensiert, übt Trenčín als Europäische Kulturhauptstadt den offenen Widerspruch. Ein Besuch.
Zerknüllte rote Zettel liegen überall auf dem Boden der gerade eröffneten Ausstellung. Wer sie aufhebt und glättet, bekommt einen Überblick über die Schikanen der slowakischen Kulturpolitik: von entlassenen Ministeriumsarbeitern bis hin zum Klima wachsender Selbstzensur. In Trenčín, derzeit Europäische Kulturhauptstadt, fackelt man nicht lang. Wer die Hauptausstellung besucht, soll gleich wissen, was in der Slowakei Sache ist. Noch bevor es zu den eigentlichen, ebenso politischen Kunstwerken geht.
Dazu muss man wissen: Seit 2023 regiert in Bratislava eine illiberale Koalition, angeführt vom Populisten Robert Fico, Viktor Orbáns Bruder im Geiste. Die Kulturministerin, Martina Šimkovičová, gehört der rechtsextremen Slowakischen Nationalpartei (SNS) an. Sie machte die Kultur zum Kampfgebiet, ließ Direktoren von Museen und Galerien austauschen, stoppte Förderungen für internationale Kooperationen und verbannte LGBTIQ-Kunst aus staatlichen Häusern. Šimkovičová sprach von der ›Rückkehr zur Normalität‹.
Widerstand kommt seit Jahren aus dem westslowakischen Trenčín. Momentan ist er noch lauter als sonst, denn seit Jahresbeginn trägt Trenčín, neben dem finnischen Oulu, den Titel Europäische Kulturhauptstadt. Das Motto lautet ›Cultivating Curiosity‹ (›Neugier kultivieren‹) und ist durchaus politisch zu verstehen. Es geht um Offenheit und neue Perspektiven. Anders als man sich das in der Regierung in Bratislava vorstellt.
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