Donauufer, mon amour

Über einen Licktblick im kulinarischen Ödland am Handelskai.

·
Illustration:
Blagovesta Bakardjieva
DATUM Ausgabe September 2026

Ein erfreulicher Nebenaspekt der voranschreitenden Gentrifizierung der Donauufer sind tolle Wirtshaus-Eröffnungen. Vor ein paar Jahren begann es im Leopoldstädter Stuwerviertel. Grüße gehen beispielsweise raus an das wunderbare Gasthaus Brösl mit seiner einfallsreichen Gemüseküche. Nun hat am Rande des Nordbahnhofviertels, an der ansonsten eher schmucklosen Engerthstraße, der ›Donauhof‹ eröffnet und es gleich in die Liste der gemütlichsten Lokale der Stadt geschafft. Hier gibt es bei angenehmer Kaffeehausatmosphäre – hohe Decken, runde Lampen, stilvoll gepolsterte Bänke – fantastische, französisch inspirierte Speisen und österreichische Weine.

Es geht gleich mit einer fruchtigen Wassermelonen-Gazpacho mit knusprigen Rauchmandeln sowie einem Lachsforellen-Carpaccio mit frischer, fermentierter Gurke und Stachelbeeren los. Toll! Das getoastete Sauerteigbrot mit luftig-sämig aufgeschlagener gesalzener Butter passt gut dazu, weil man hier Wert auf eine besondere Zubereitung des scheinbar so gewöhnlichen Butterbrots legt. 

Auch beim Hauptgang hält die Küche das Niveau: Das Huhn ist perfekt gegart und wird von Mini-Gnocchi und Kochsalat auf geschäumter Sauce suprême (Geflügelrahmsauce) begleitet. Und auch die gefüllte Spitzpaprika mit Belugalinsen auf Bohnenmousse und hausgemachtem Ajvar mit reichlich Kräutern (Dill, wer’s mag) ist sehr gut gelungen. In diesem Stil verspricht die kompakte Karte weitere Highlights, etwa Saibling auf Butter-Kapern-Zitronen-Sauce mit Mais. Auch die Desserts kommen mit Twist, der Schokopudding mit Heidelbeeren harmoniert erstaunlich gut mit Olivenöl und Meersalz. Wieder was gelernt.

Wer weiß, vielleicht ist der Donauhof ein erster Vorbote dafür, dass die Stadt am Strome noch ein bisschen weltstädtischer wird. Jedenfalls ist er ein Lichtblick im kulinarischen Ödland am Handelskai. •

Donauhof · Engerthstraße 141 · 1020 Wien

Sie können die gesamte Ausgabe, in der dieser Artikel erschien, als ePaper kaufen:

Diese Ausgabe als ePaper für € 6,00 kaufen