Das System Bohrn-Mena
Veronika und Sebastian Bohrn-Mena kämpfen mit der Stiftung Común und dem Online-Magazin Oekoreich für Tierwohl und Naturschutz. Dabei vermischen sie ihre Rollen als Medienmacher, Aktivisten und Berater.
Als Ikea am 26. August 2021 seinen Standort am Wiener Westbahnhof eröffnete, kamen nicht nur Kunden. Knapp hundert Aktivisten versammelten sich vor dem Geschäft und protestierten. ›Lügst du noch? Oder zerstörst du schon?‹, stand in großen Buchstaben auf einem blauen Transparent geschrieben. Vor ihm sprachen Persönlichkeiten wie Lena Schilling oder der rumänische Aktivist Gabriel Paun zu Presse und Passanten. Grund dafür war ein Bericht der NGO ›Agent Green‹, deren Präsident Paun ist. Er hatte dokumentiert, wie Ikea rumänische Urwälder, die der Konzern in den letzten Jahren gekauft hatte, abholzte und dabei die Umwelt schädigte.
Organisiert hatte diesen Protest eine Initiative, hinter der die Stiftung des Ehepaars Veronika und Sebastian Bohrn-Mena steht. Vor allem Letzterer hat eine lange Geschichte als politischer Akteur. Bohrn-Mena kandidierte im Laufe seiner Karriere sowohl für die SPÖ als auch für die Liste Pilz. Im Anschluss rief er 2018 das Tierschutzvolksbegehren ins Leben, das mit mehr als 400.000 Unterschriften zu einem der erfolgreichsten der Zweiten Republik gehört. Außerdem tritt er regelmäßig in Fernsehsendungen von oe24 auf und hat 2021 gemeinsam mit seiner Frau, einer Autorin und ehemaligen Gewerkschafterin, die Gemeinwohlstiftung Común gegründet. Gemeinsam organisieren sie damit unter anderem Katastrophenhilfe oder Dialogveranstaltungen, betreiben über die Común Media Betriebsgesellschaft m.b.H. aber auch das Online-Medium Oekoreich. Sie berichten darin immer wieder ausführlich über Unternehmen, die aus ihrer Sicht Tierwohl und Umweltschutz vernachlässigen.
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das Paar bekannt, als der Standard mitten im EU-Wahlkampf öffentlich machte, dass Lena Schilling gegenüber den beiden eine Unterlassungserklärung unterzeichnet hatte. Die Grünen-Spitzenkandidatin für die EU-Wahlen verpflichtete sich darin unter anderem dazu, die Behauptung zu unterlassen, die beiden würden mit ihrer Stiftung ›wie die Mafia‹ agieren. Damals lag der Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit auf der Causa Schilling. Doch die grüne Europaabgeordnete ist längst nicht die Einzige, die die Geschäftspraktiken der Bohrn-Menas kritisiert hat. Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken, äußert sich schon seit Jahren äußerst negativ über Sebastian Bohrn-Mena. 2021 berichtete die Tageszeitung Presse außerdem über ein Beratungsangebot des Tierschützers an die heimische Geflügelbranche. Und die Zeitung schrieb von negativer Berichterstattung gegenüber denjenigen, die Beratungsangebote abgelehnt haben sollen.
Woher all die Aufregung? Und was steckt hinter den Vorwürfen? Nach einer Anfrage von DATUM erklärte sich das Unternehmen Ikea bereit, zu seinen Erfahrungen mit den Bohrn-Menas Stellung zu nehmen. Das Brisante daran: Ikea kann mit einer E-Mail, die DATUM einsehen konnte, ein ›entgeltliches Beratungsangebot‹ der Bohrn-Menas, wie Ikea auch schriftlich mitteilt, belegen. Verbunden mit der Berichterstattung auf Oekoreich und der Protestaktion vor dem Ikea-Standort am Westbahnhof zeigt sich die Vermischung ihrer Rollen als Aktivisten und Medienmacher, die auf der einen Seite öffentlichen Druck erzeugen und sich auf der anderen Seite als Berater um einen Auftrag bemühen. Der Anwalt der Bohrn-Menas, Peter Zöchbauer, bestreitet diesen Vorwurf. Aber der Reihe nach.
Am Tag des Protests trat auch Veronika Bohrn-Mena am Ikea-Standort vor ein Mikrofon und sagte einen Satz, den man heute auf mehrere Arten lesen kann: ›Unser Protest ist nur der erste Schritt in einer langen Reihe an Maßnahmen, die wir in den kommenden Monaten setzen werden.‹
Schon zwei Wochen später folgte der nächste Schritt. Nachdem Ikea gegenüber den Bohrn-Menas seine Dialogbereitschaft signalisiert und sie zu einem Gespräch geladen hatte, erreichte das Unternehmen eine E-Mail, unterzeichnet vom Ehepaar Bohrn-Mena. Der Einrichtungskonzern möchte die darin formulierten Details nicht weiterverbreiten, bestätigt aber: ›Wir erhielten Anfang September 2021 ein Angebot für eine entgeltliche Beratungsleistung.‹ Im Klartext: Die Bohrn-Menas wollten Geld von jenem Konzern, gegen den sie gleichzeitig kampagnisierten. Sie zeigten also das Problem nicht nur auf, sondern boten auch eine Lösung gegen Bezahlung an.
Ein paar Tage später legten die Bohrn-Menas nach. Allerdings nicht wieder per Mail, sondern öffentlich, über ihr Medium Oekoreich. ›Nach Protesten gegen Ikea: Bürgerinitiative fordert professionellen Dialog‹ , titelten sie in einem Beitrag. Darin kam auch Veronika Bohrn-Mena als Sprecherin der ›Initiative für ein Lieferkettengesetz‹ und Vorsitzende der Stiftung Común mit folgenden Sätzen zu Wort:
›Wir laden IKEA dazu ein mit uns in einen Austausch auf Augenhöhe einzutreten. Wenn dem Konzern die Anliegen der Konsument*innen & Bürger*innen so wichtig sind, wie er stets betont, dann wird er dafür den Rahmen schaffen und sich mit der vorgebrachten Kritik ernsthaft auseinandersetzen. […] Der Ball liegt nun bei IKEA, unser Angebot anzunehmen. Wir scheuen uns aber nicht davor, die Auseinandersetzung Notfalls auch auf anderen Ebenen fortzuführen, sollte der Konzern weiter seine Verantwortung abstreiten.‹
Neben der über das eigene Medium geführte Berichterstattung und dem Beratungsangebot nahm allen voran Veronika Bohrn-Mena also noch eine dritte Rolle ein: die der Aktivistin, die die Auseinandersetzung weiterführen würde, sollte das Problem nicht in ihrem Sinne gelöst werden.
Ende September antwortete Ikea schließlich und lehnte das Angebot der Bohrn-Menas ab. Am selben Tag erschien auf Oekoreich ein weiterer kritischer Artikel über den Konzern. ›Im Anschluss daran gab es keinen direkten Kontakt mehr, mit Ausnahme von einer oder zwei Anfragen seitens des Mediums, sowie negative Berichterstattung in regelmäßigen Abständen‹, schreibt Ikea auf Anfrage. Vier Artikel erschienen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Protestaktion vor dem Standort am Westbahnhof. Acht weitere kritische Texte folgten in den kommenden Jahren.
›Meiner Meinung nach ist das alles ethisch und moralisch unhaltbar‹, sagt Alexander Egit, Geschäftsführer von Greenpeace in Zentral- und Osteuropa, über das Verhalten der Bohrn-Menas. Seine Organisation äußert regelmäßig Kritik an Ikea, am Vorgehen des Konzerns sei auch nichts schönzureden. In seinen Augen ist es aber notwendig, als Umweltschutzorganisation strikt zwischen der Kampagnenarbeit und einer möglichen Geschäftstätigkeit wie einer Beratung zu trennen. ›Vermischt man diese Dinge, diskreditiert man sonst die Glaubwürdigkeit der gesamten Umweltbewegung.‹
Anwalt Peter Zöchbauer betont im Namen seiner Mandanten, dass nicht das Ehepaar selbst, sondern der Nachhaltigkeits-Manager von Ikea eine ›Zusammenarbeit angeboten‹ hätte. Um das zu belegen, verweist der Rechtsvertreter auch auf eine E-Mail des Ikea-Managers vom 13. September 2021. Aus der E-Mail geht diesbezüglich allerdings nur hervor, dass es Gespräche bezüglich eines möglichen Dialoges über ein Lieferkettengesetz gab – das hatte auch Ikea gegenüber DATUM transparent gemacht. Zöchbauer argumentiert weiter: ›Hätten meine Mandanten eine entgeltliche Kooperation mit IKEA angestrebt, so hätten sie ihre Kritik eingestellt.‹ Diese Aussage des Rechtsvertreters steht allerdings im Widerspruch zu dem Angebot der Bohrn-Menas, Ikea gegen Bezahlung zu beraten, das DATUM einsehen konnte.
Darüber hinaus ist es nicht das erste Mal, dass ähnliche Vorwürfe gegen die Bohrn-Menas erhoben wurden. 2021 berichtete Die Presse in einem Artikel, dass Sebastian Bohrn-Mena, nachdem eine Zusammenarbeit mit der Handelskette Billa nicht zustande kam, den Lebensmittelkonzern regelmäßig öffentlich kritisiert habe. Allerdings gibt es zum Fall Ikea auch einen wichtigen Unterschied: Bohrn-Mena erwirkte eine Unterlassungserklärung, die Billa die Behauptung untersagt, es habe von seiner Seite ein Angebot zur Zusammenarbeit gegeben – wie der Fall Schilling zeigt, sollte es nicht das einzige Mal bleiben, dass Sebastian Bohrn-Mena zu diesem juristischen Mittel griff, um sich gegen Vorwürfe zu wehren. Während Billa sich zur Causa inzwischen nicht mehr öffentlich äußert, kritisiert Bohrn-Mena den Konzern auf Oekoreich weiterhin regelmäßig.
Und noch einen Vorgang machte Die Presse damals im selben Artikel publik: Bohrn-Mena – der damals vor allem als Initiator des Tierschutzvolksbegehrens öffentlich in Erscheinung trat – hatte sich im April 2021 mit Vertretern der heimischen Geflügelbranche getroffen. Das Sitzungsprotokoll, auf das sich die Zeitung damals berief, liegt auch DATUM vor. Demzufolge wurde eine ›Zusammenarbeit mit Ökoreich‹ diskutiert, konkret, wie eine Kampagne für die Tierhalter aussehen könnte. Geschätzte Kosten: 250.000 Euro.
Die Presse schrieb damals von einem Beratungsangebot. Der Anwalt des Ehepaars sagt dazu: ›Es gab weder ein Angebot zur Gestaltung einer Kampagne noch zu irgendeinem Zeitpunkt eine entgeltliche Zusammenarbeit.‹ Bohrn-Mena habe nur seine Einschätzungen abgegeben und angeboten, auch in weiterer Folge zur Verfügung zu stehen. Auch die Interessensvertretung ›Geflügelwirtschaft Österreich‹ teilt auf Nachfrage mit, dass es in Folge des Treffens nie eine Kooperation mit Bohrn-Mena gegeben habe. Unabhängig von diesem Treffen kommt die heimische Geflügelbranche im Bohrn-Mena-Medium bis heute oft und vor allem positiv vor.
Wie aber kam Sebastian Bohrn-Mena überhaupt in die Position, mit großen Unternehmen an einem Tisch zu sitzen? Das hat vor allem mit der hohen öffentlichen Reichweite zu tun, über die das Ehepaar verfügt. Sebastian Bohrn-Mena begann diese 2018 mit dem erwähnten Tierschutzvolksbegehren aufzubauen. Dafür scharte er Prominente wie Dominic Thiem oder Toni Polster und Politiker wie Leonore Gewessler oder Rudolf Anschober als Unterstützer um sich und warb um Unterschriften. Er sammelte aber auch Geld für seine Initiative. Dabei beschrieb er in Spendenaufrufen mehrmals Rettungsaktionen der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, setzte darunter dann aber die Bankverbindung seines Vereins. Eigentlich ein No-Go in der Szene. Laut Anwalt Zöchbauer hätten die Beispiele lediglich zeigen sollen, ›wieso es wichtig ist, sich zu engagieren‹.
Als das Volksbegehren 2021 schließlich endete, konnte Sebastian Bohrn-Mena beachtliche Social-Media-Zahlen vorweisen. Mehr als 130.000 Menschen hatten die Kanäle des Tierschutzvolksbegehrens auf Facebook und Instagram abonniert. Auch dem Initiator selbst folgte schon damals eine fünfstellige Zahl an Followern. Bohrn-Mena und seine Frau nutzten diese Reichweite und riefen im Februar desselben Jahres die Nachfolgeinitiative Oekoreich ins Leben. Letztlich wurde daraus primär das eigene Online-Medium des Ehepaars.
In den ersten Monaten schrieben darin noch Experten wie Reinhard Geßl oder Journalisten wie Christine Pawlata. Namen findet man inzwischen kaum noch unter den Texten. Die meisten Artikel sind ungezeichnet oder stammen aus der Feder der Bohrn-Menas. Doch die Bilder der früheren Schreiber sind nach wie vor auf einer prominent platzierten Autorenseite sichtbar. Einigen von ihnen ist das mittlerweile unangenehm, sie würden von dort gerne gelöscht werden. Laut Sebastian Bohrn-Mena sei das jedoch technisch nicht möglich.
Die Bohrn-Menas ließen aber nicht nur in der Szene etablierte Autoren für sich schreiben, sie boten jedenfalls in der Vergangenheit Unternehmen gegen Bezahlung auch maßgeschneiderte Beiträge auf Oekoreich an. Eine der Firmen, die eine Kooperation mit dem Medium einging, ist ausgerechnet der größte Konkurrent Ikeas in Österreich: der Möbelkonzern XXXLutz. Nach einem kritischen Artikel im Mai 2021 auf Oekoreich sei der Konzern auf die Bohrn-Menas zugegangen und habe um Beratung gebeten, so Peter Zöchbauer.
Der Anwalt des Ehepaars betont, dass solche Kooperationen üblich seien und die Bohrn-Menas den Konzern außerdem dabei beraten würden, ›Transformationsprozesse im Sinne des Tierschutzes‹ zu vollziehen. Ergebnis sei etwa, ›dass keine Importware mehr verkauft wird, dass Produkte aus Tierwohl-Erzeugung im Sortiment sind und vieles mehr‹. 2022 publizierte das Medium sechs bezahlte Kooperationen mit XXXLutz. ›Die redaktionelle Unabhängigkeit wurde davon nicht berührt‹, stand unter den Texten. Seither berichtet Oekoreich positiv über den Konzern, zuletzt auch über die Kooperation hinaus.
Neben dem eigenen Medium kommt inzwischen ein weiteres kommunikatives Asset hinzu: Sebastian Bohrn-Mena tritt regelmäßig bei oe24 auf. Allein auf Youtube verfolgen jede Woche zehntausende Zuseher, wie Ex-Politiker Gerald Grosz und er hitzig diskutieren. Zwischen ihnen sitzt dabei meistens Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner.
Aber Bohrn-Mena kommentiert nicht nur auf oe24, er wirkt auch immer wieder beim von Kathrin Glock präsentierten TV-Magazin ›Unsere Tiere‹ mit. So besuchte er – gut zwei Wochen, nachdem Oekoreich den ersten bezahlten Beitrag über XXXLutz gebracht hatte – den Möbelkonzern für einen Fernsehbeitrag des Fellner-Senders. Fast sechs Minuten am Stück konnte der Leiter der Gastronomie-Schiene des Unternehmens darin seine Botschaften zum Tierschutz nur von Schnittbildern unterbrochen anbringen. Die bezahlte Kooperation mit Bohrn-Menas Oekoreich wurde auf oe24 nicht offengelegt.
Und dieser Vorgang war jedenfalls kein Einzelfall: Oekoreich hatte Ende 2021 auch eine Kooperation mit dem Bio-Fleischproduzenten Rebel Meat. Das Medium führte außerdem einen bezahlten Chicken-Nuggets-Check durch, in dem von zwölf getesteten Produkten Rebel Meat am besten abschnitt. Bewertet wurde aufgrund von Kriterien wie Herkunft des Fleisches und dessen Bio-Anteil. Einer der bezahlten positiven Beiträge des Mediums war als ›Meinung‹ von Sebastian Bohrn-Mena gekennzeichnet. Er kommentierte darin den Nuggets-Test und rief zum Kauf von Rebel Meat auf. Zur selben Zeit berichtete auch das Fellner-Fernsehen und dessen Online-Portal oe24.at über den Produkt-Check. Und zwar wieder, ohne eine Kooperation des Fleischproduzenten mit dem Medium Bohrn-Menas transparent zu machen. Bohrn-Mena-Anwalt Peter Zöchbauer weist in diesem Kontext darauf hin, dass Bohrn-Mena kein Journalist sei und sich selbst auch nie als solchen bezeichnet habe.
Fügt man die geschilderten Puzzleteile zusammen, entsteht das Bild eines umtriebigen, hervorragend vernetzten Unternehmerehepaares, das irgendwann aufgehört hat, sauber zwischen seinen verschiedenen Aktivitäten auf den Feldern Aktivismus, Medientätigkeit und Beratungsdienstleistungen zu unterscheiden.
Auch die ›Konsumdialoge‹ der Bohrn-Menas, große Konferenzen zu Themen wie Lebensmittel, Wald oder Textilien, bei denen in Hallein über den Umgang mit Ressourcen diskutiert wird, sind umstritten. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT), allen voran deren Obmann Martin Balluch, kritisierte schon 2022 bei der ersten Veranstaltung dieser Art die Auswahl von Sponsoren und Gesprächspartnern. Dabei gingen Tierschutzaktivisten ähnlich hart vor wie bei einem Fleischbetrieb: Sie störten die Veranstaltungen der Bohrn-Menas und schickten Mails an deren Kooperationspartner und Fördergeber, um sie mit Nachdruck zum Beenden ihrer Zusammenarbeit zu bewegen.
Die Kritik von VGT-Obmann Martin Balluch, vor allem an Sebastian Bohrn-Mena persönlich, zieht sich schon über ein paar Jahre. Balluch – als Tierschützer auch ein Konkurrent Bohrn-Menas – kritisierte bereits das Tierschutzvolksbegehren öffentlich. Heute sagt Balluch dazu: ›Das Volksbegehren war in erster Linie eine One-Man-Show, die Sebastian Bohrn-Mena als Sprungbrett für seine weiteren Geschäfte genutzt hat.‹
Spätestens seit Anfang dieses Jahres kommen die Bohrn-Menas nicht mehr aus der öffentlichen Debatte über ihre Aktivitäten. Zuerst war da eine Recherche über den Süßigkeiten-Hersteller Neoh. Dessen Gründer stammt aus jenem Waldviertler 500-Einwohner-Ort, in den Sebastian und Veronika Bohrn-Mena 2023 gezogen sind. ›Snack mit fragwürdigen Inhaltsstoffen und maximaler Intransparenz‹ titelte Oekoreich. Im Text warf man unter anderem die Frage auf, ob die vom Startup verwendete Milch aus Russland stammen könnte. Auch an der Qualität des verwendeten Süßstoffs und einer Studie, die ebendiesen untersucht hatte, zweifelte das Medium stark. Später sprang das in der Startup-Szene gern gelesene Medium Brutkasten auf die Berichterstattung auf. Infolge der in Oekoreich aufgestellten Behauptungen habe ein Kunde Abstand von einem Auftrag genommen, sagte Neoh im Gespräch mit DATUM. Das hätte das Unternehmen eine ›empfindliche Summe‹ gekostet.
Etwa zwei Wochen nach der ersten Kritik durch Oekoreich schickte Neoh dann einen Anwaltsbrief an das Medium. Das Startup konnte die Recherche widerlegen und drohte mit rechtlichen Schritten. Letztlich kam es laut Neoh zu einer einvernehmlichen Lösung. Nach einer Aussprache veröffentlichte Oekoreich einen weiteren Text. Sinngemäß stand darin, dass Sebastian Bohrn-Mena nur Transparenz eingefordert habe und Neoh nun doch zu ›den Guten‹ gezählt werden könne. Der Ursprungstext, in dem das Unternehmen harsch kritisiert wird, ist trotzdem nach wie vor online.
Ein Umstand, den Anwalt Peter Zöchbauer als Beleg dafür nennt, ›dass es eben nicht möglich ist, sich Berichterstattung oder Wohlwollen zu »kaufen«. Es zeigt, wie deutlich meine Mandanten Ebenen trennen.‹ Es sei auch niemals zu einem Geldfluss von Neoh an die Bohrn-Menas gekommen.
Und dann wäre da noch die Causa Schilling. Im Zuge dieser kam es zum Zerwürfnis der Bohrn-Menas mit den Grünen. Zuvor hatten Grün-geführte Ministerien die Projekte und Veranstaltungen der Bohrn-Menas noch mit öffentlichen Geldern gefördert. Laut einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ kamen zwischen 2021 und 2024 insgesamt 19.930,97 Euro aus dem Sozialministerium und 124.722 Euro aus dem Klimaministerium. Und auch das ÖVP-geführte Landwirtschaftsministerium überwies insgesamt 61.700 Euro an Fördergeldern.
Beim kommenden Konsumdialog im Oktober, der sich erstmals dem Thema Wasser widmen wird, ist das Klimaministerium nun nicht mehr als Unterstützer dabei. Die Bohrn-Menas behaupten, die Grünen hätten ihnen die Förderung vorab zugesagt. Deshalb hätten die beiden mit diesen Geldern geplant und würden nun vor einem Budgetloch stehen. Schriftlichen Beleg für den Vorwurf können sie allerdings keinen vorweisen. Das Klimaministerium dementiert, es steht Aussage gegen Aussage.
In der Causa Schilling selbst wird es außerdem bald zu einem neuen Gerichtstermin kommen. Am 24. Oktober werden sich die Grünen-Politikerin und die Bohrn-Menas wegen eines möglichen Bruchs der von Schilling unterzeichneten Unterlassungserklärung gegenüberstehen, wenn sie davor keine außergerichtliche Lösung finden oder sich auf einen Vergleich einigen. Nachdem das beim ersten Prozesstermin im Sommer scheiterte, geht davon allerdings kaum noch jemand aus. •
Transparenzhinweis:
Lena Schillings Anwältin Maria Windhager berät DATUM in juristischen Fragen. Für diesen Artikel haben wir uns jedoch Beratung von anderer Seite geholt.
Lena Schilling war wie zahlreiche Politiker zum DATUM-Fest am 27. Juni dieses Jahres eingeladen und dort auch zu Gast. Im Jahr 2023 hat der Autor einen Medienlehrgang organisiert, bei dem auch Schilling als Speakerin auftrat.