›Gefällt dir, was du siehst?‹

Die Sexindustrie macht Milliarden mit interaktiven Pornos. ›Models‹ wie Sophia und Ariel leben davon.

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Fotografie:
Marlene Liebhart
DATUM Ausgabe November 2017

Jenny Day (Name redaktionell geändert) ist den Tränen nahe. ›Ich brauche morgen schon das Geld‹, schluchzt sie und lässt sich noch tiefer in den Sessel sinken. Katya Tiuni ist davon wenig beeindruckt. ›Wenn du traurig bist, werden keine Männer zu dir kommen. Du musst versuchen, deine privaten Probleme zu vergessen, zu lächeln und mit den Besuchern zu flirten.‹ Sie schaltet die Kamera auf ihrem Laptop ein und beginnt, davor zu tanzen. ›Posiere mit den Beinen vor der Kamera. Geh mit deinen Brüsten ganz nahe an die Kamera heran. Wenn du dich wohl fühlst, kannst du dein Top ablegen. Dann sagst du ihnen: Ich wünschte, du wärst mit mir hier. Was würdest du mit mir machen?‹

Katya Tiuni ist eine strenge Trainerin. Sie fordert viel von ihren Mitarbeiterinnen wie Jenny Day. Sie sind ›Webcam-Models‹. ›Models‹ heißen alle Frauen, die wie Jenny und Katya im ›Tiptop-Studio‹ arbeiten. Das Studio befindet sich im Zentrum der tschechischen Hauptstadt Prag, in einem kleinen Einkaufszentrum. Der Eingang liegt versteckt, an der Wand führt ein kleines Schild über eine Treppe hinauf bis zum zweiten Stock des Gebäudes. Jeweils vier Räume befinden sich auf beiden Seiten des weißen Flurs, aus manchen von ihnen tönt Jazzmusik, aus anderen Pop- oder Rockmusik. An der Wand entlang sind Stöckelschuhe in unterschiedlichen Farben und Absatzlängen aufgestellt, am Kleiderständer daneben hängen Röcke und BHs. Jede halbe Stunde öffnet sich eine der Zimmertüren und eine Frau stolziert zum WC oder in die Küche, um eine Tasse Kaffee zu trinken, der nicht zu wärmen scheint.

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