Körperliche Schlachtfelder

DATUM Ausgabe April 2026

Bodyhorror ist derzeit beliebt im Film, um feministische Irritationen plastisch darzustellen. Problematische Erzählungen wie ›The Ugly Stepsister‹ oder das unverständlicherweise allseits gefeierte Machwerk ›The Substance‹ wiederholen leider misogyne Bilder des Malträtierens von Frauen, anstatt diese ironisch oder intelligent auseinanderzunehmen.

Die Queen des feministischen Bodyhorrors ist dafür die Goldene-Palme-Gewinnerin Julia Ducournau aus Frankreich. Insbesondere ihr Debütfilm ›Raw‹ brillierte mit einer nuancierten Erzählung über eine junge Studentin, die von der Vegetarierin zur Kannibalin mutiert. Auch ›Titane‹ über eine Serienmörderin, die sexuelle Anziehung zu Metallobjekten und Autos verspürt, ist eine originelle Geschichte über Gewalt und (sexuelle) Selbstbestimmung.

In Ducournaus drittem Spielfilm ›Alpha‹ geht es um eine gleichnamige 13-Jährige in der französischen Industriestadt Le Havre während der 1990er. Draußen grassiert eine Epidemie, die allegorisch an die AIDS-Krise erinnert. Die Gesellschaft verhält sich angesichts der mysteriösen Krankheit paranoid und aggressiv. Alphas arabischstämmige, allein-erziehende Mutter ist Ärztin. Alphas Onkel ist heroinabhängig und möglicherweise selbst betroffen.


Als Alpha sich auf einer Party spontan ein Tattoo stechen lässt, wächst die Angst, dass auch sie infiziert sein könnte. Mit einnehmenden Bildern ist ›Alpha‹ Julia Ducournaus psychoanalytischster Film über Krankheit, (Familien-)Traumata und Mädchen. Empfehlung!

Alpha. Frankreich, Belgien 2025,
128 Min., Regie: Julia Ducournau.
Mit: Mélissa Boros, Golshifteh
Farahani, Tahar Rahim

Kinostart 10.4.2026 

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