Neuer Deutscher Punk 

DATUM Ausgabe Mai 2026

In politisch verwirrten und verwirrenden Zeiten sind deutliche Ansagen in der Popmusik manchmal recht erfrischend. Verlässliches auf diesem Gebiet liefert seit jeher Punk mit seinem subversiven DIY-Ansatz sowie seinen zahllosen Mottos von ›Do no harm, take no shit‹, ›Eat the rich, feed the poor‹ bis zum eher allgemein gehaltenen ›Fuck the System‹. 

In den vergangenen Jahren ist der österreichische Punk-Neue-Deutsche-Welle-Musiker Salò recht erfolgreich im Erfinden neuer Aphorismen. Das ging schon 2022 mit seinem Debütalbum ›Rabatt‹ los (›Baby stell ne Guillotine auf und schneid das Preisschild ab / bevor ich nochmal arbeiten geh, hack ich mir meine Hände ab‹). Mit literaturgespickten Zitaten, darunter von Robert Musil und Françoise Sagan, besingt Salò seitdem die mehr oder weniger dysfunktionale Liebe in der Konsumgesellschaft, soziale Auswirkungen der Digitalisierung, patriarchale Verirrungen und Verweigerung in diversen Lebensbereichen.

Auch in seinem neuesten Album ›Hardcore‹ geht es in Songs wie ›Rotten.com‹ oder ›Ich bin Richard Lugners Frau wieder ans Eingemachte. Salò seziert Gewaltvoyeurismus ebenso wie Hedonismus, Klatschpresse, Medienüberforderung und Natursehnsucht. In ›Jello Biafra‹ (benannt nach dem Sänger der US-Punkband Dead Kennedys) geht es um Vermieter: ›Tut mir leid, sagt der Vermieter, das ist nicht mein Problem‹. Und wer weiß, vielleicht wird Salòs Fazit ›Miete wird nicht teurer, sie wird teurer gemacht‹ ja ein Slogan in einer neuen Welle Punk.

Salò: Hardcore. 

Phat Penguin, 2026

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