Mädchen von damals

DATUM Ausgabe Juni 2026

Ich habe Lena Dunhams ›Famesick‹ nicht gelesen, werde hier also weder von der Lektüre abraten noch sie empfehlen. Die Tendenz, dass Menschen, die jünger sind als ich, bereits ihre Memoiren verfassen, finde ich allerdings etwas irritierend (und nicht nur, weil mich das alt aussehen lässt).

Anlässlich dessen fiel mir aber ein, dass die Zeit, in der ich Dunhams Opus Magnum, die HBO-Serie ›Girls‹ gesehen habe, schon verdammt lange zurückliegt. Also habe ich mich gemeinsam mit meiner besseren Hälfte in einen Re-Watch gestürzt – mit interessanten Resultaten: Anno 2012, als ›Girls‹ brandneu war, waren wir ungefähr im Alter der Protagonistinnen. Damals erheiterten wir uns vor allem über den überraschend abgefuckten Zustand von New York City sowie die greifbaren Unterschiede im Sozialverhalten US-amerikanischer und kontinentaleuropäischer Exemplare der Generation Y.

Fast 15 Jahre Jahre später sind Hannah, Marney, Shosh und Jessa (mein Lieblings-Girl, herrlich exaltiert dargestellt von Jemima Kirke) natürlich frisch und naiv wie eh und je. Wir Altersgenossen von einst blicken dagegen plötzlich aus einer mal liebevollen, mal mitleidigen Elternperspektive auf ihr Scheitern an Liebe, Sex und Großstadtleben.

›Irgendwie ist es jetzt noch lustiger als damals‹, sagt meine Frau, und ich gebe ihr Recht: Mit zeitlichem Abstand wird erst die literarische Großtat Dunhams sichtbar, diese teils beißend satirische Serie als 24-Jährige geschrieben, gecasted, inszeniert und dann auch noch die Hauptrolle der Stadt-Neurotikerin Hannah Horvath verkörpert zu haben. 

Oder, in Hannahs eigenen Worten: 

›I might be the voice of my generation – or, at least, a voice of a generation.‹

›Girls‹ 2012-2017, HBO

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