Sauber gelöst
Der medial völlig unterrepräsentierten Gesellschaftsgruppe der Reinigungskräfte wurde jetzt endlich ein deutscher Spielfilm gewidmet. Und noch dazu ein sehr kluger, gefeiert von Kritik und auf der Berlinale. ›Ich verstehe Ihren Unmut‹ erzählt von Heike, Ende fünfzig, Objektleiterin einer Reinigungsfirma. Nah an Heike dran zeigt die Handkamera ihren Arbeitsalltag, wie sie gehetzt durch Einkaufszentren oder Kindergärten streift, in barschem Tonfall die ihr zugeteilten Reinigungskräfte instruiert und korrigiert, dazwischen im Auto unzufriedene Kunden beschwichtigt und generell unter Druck steht.
Unter Zeitdruck und Druck von ihrem Vorgesetzten bekommt Heike plötzlich eine Aufgabe, die sie in einen ernsthaften Gewissenskonflikt bringt. Das hauptsächlich mit Laiendarstellern aus der Reinigungsbranche besetzte Drama erinnert in seiner rohen, direkten Machart und mit dem wortgefechtsreichen Chaos, das zwischendurch ausbricht, an frühe dänische Dogma-Filme, bleibt dabei aber immer menschenfreundlich.
Die Figuren sind vielschichtig gezeichnet, nicht besonders gut, nicht besonders böse, bemüht aus ihren jeweiligen Umständen etwas herauszuholen. Alle stehen in Abhängigkeit zueinander und niemand ist wirklich freiwillig in diesem Job. Und so ist der Film, ohne dabei besonders pädagogisch zu sein, eine tiefsinnige Erzählung über den Versuch, in einer würdelosen Arbeitswelt Haltung zu bewahren, sich in Solidarität zu versuchen und oft genug daran zu scheitern.
Ich verstehe Ihren Unmut
Regie: Kilian Armando Friedrich
Mit: Sabine Thalau, Nada Kosturin, Werner Posselt, Sadibou Diabang, Nigyar Velagich